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„Es muss schon eine besondere Verbundenheit mit der Schule geben.“

Heike Delius hat eine Art Duschhaube auf dem Kopf. Schwungvoll und gut gelaunt trägt sie ein Tablett mit duftenden Küchlein vor sich her, die sie anbietet. So werden Interessenten der Kant- Oberschule empfangen. Mit Blaubeerhefeplätzchen und Obstspießen.

Im Keller ist das Reich der Werkstattleiterin. Mit Hilfe einer Schülerin belegt die gelernte Tischlerin Hefeküchlein mit Beerenobst. „Für Geld mache ich alles“, sagt Heike Delius lachend und erzählt, dass sie in der Schule seit vielen Jahren Mädchen für alles ist. Kochen, Schülercafe oder Holzarbeiten, was eben so anfällt. 

Unweit der Werkstatt im Gang daneben arbeitet Melania an ihrem Wandbild. Die 14jährige, die in die 8. Klasse geht, will den „Tag der offenen Tür“ nutzen, um mit der Malerei ihrer großflächigen Mangafigur weiterzukommen. Schon über 12 Stunden hat sie in dieses Wandbild investiert. Sie malt im Wechsel mit einer Mitschülerin für das Fach Wirtschaft, Arbeit, Technik - WAT, das früher Arbeitslehre hieß. 

Neben den regulären Fächern gibt es hier an der Schule ein großes Angebot an AGs: vom Chor über Informatik, Graffiti, Segeln aber auch viele Förderangebote für leistungsschwache Schüler.

Und dafür interessieren sich an diesem Tag viele Eltern. Neben dem allgemeinen Interesse an Schwerpunkt - Fächern wie Wirtschaftswissenschaften und Englisch in der gymnasialen Oberstufe hört man in den Räumen immer wieder Fragen nach individueller Förderung. Viele haben sich heute über Legasthenieförderung informiert“, sagt Christine Radde, die an der Schule Expertin für dieses Thema ist. 

Tag der offenen Tür an der Kant-Oberschule.

Einfach mal drauf los hämmern

Kaum wird im Musikraum das Schlagzeug freigegeben, schon stürzen sich Emre und Karl darauf und hämmern los. Einfach mal ein bisschen Lärm machen und Spaß haben. Heute dürfen die Siebtklässler Instrumente ausprobieren und davon gibt es hier eine Menge:verschiedene Trommeln, E- und Bassgitarren, ein afrikanisches Balafon, eine Art Xylophon, Stomp-Instrumente wie Besen und Schlagstäbe.

Leider singen unsere Schüler nicht so viel“, sagt Musiklehrerin Kristina Klein. Trotz des Casting Hypes durch „Voice of Germany“ und „Deutschland sucht den Superstar“ finden viele Schüler es uncool zu singen. Deswegen wird hier mehr auf Instrumente gesetzt. Keyboards, so erklärt die Lehrerin, eigneten sich gut, um Musiktheorie zu vermitteln. Auch mit Laptops, die Notenschreibprogramme haben, wird im Musikunterricht gearbeitet.

Konflikte werden vorher gelöst

Im Mediationsraum wartet Kristin Leisenberg. Sie ist Schul-Mediatorin und bildet die Konfliktlotsen aus. Was für Konflikte gibt es denn an der Schule? Da muss Kristin Leisenberg etwas länger nachdenken. Mobbing in den sozialen Netzwerken wirke sich schon auf den Schulalltag aus. Viel Andrang gibt es jedoch in ihrem Raum nicht. Viele Konflikte an der Schule werden schon im Vorfeld ausgeräumt, erzählt sie. Wenn sie mitbekommt, dass es Reibereien oder Probleme gibt, spricht sie die Schüler direkt darauf an.

Mediation funktioniert hier eher wie ein Notfallkoffer im Auto. Man sollte ihn immer dabei haben – im besten Fall wird er jedoch nicht gebraucht. Viele der potentiellen Schulkonflikte werden bereits durch die Klassenlehrer im Keim erstickt“, sagt die Mediatorin. „Bei den regelmäßigen Teamsitzungen wird über Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten jedes Schülers gesprochen“. So staut sich gar nicht erst so viel an.

Chipstüten rechtzeitig wegräumen

Im Dachgeschoss, das einen beeindruckenden Ausblick über die Dächer von Steglitz bietet, sitzt Mathematiklehrer Joachim Löhmann. Seit 24 Jahren ist er Lehrer hier. Er kennt alle der rund 400 Schüler. „Vielleicht nicht mit Namen - aber zuordnen kann ich sie schon“, sagt er stolz. Er schwärmt noch von der langen Nacht der Mathematik, die an diesem Morgen zu Ende ging, aber zur Enttäuschung einzelner Schüler wegen des „Tags der offenen Tür“ ein wenig kürzer ausfiel. Wir brauchten ja noch Zeit, um die Chipstüten rechtzeitig wegräumen zu können, bevor die Besucher kommen“, sagt Löhmann und wendet sich einer Mutter zu, die wissen will, welche Förderrmöglichkeiten es für Dyskalkulie hier an der Schule gibt.

Eine Familie aus Stahnsdorf nimmt mit ihren beiden Söhnen an einer Führung durchs Haus teil. Dass Familien aus dem Speckgürtel kommen, ist nichts ungewöhnliches, erzählt ein Lehrer. Der Schulbeginn um 8.30 Uhr ist attraktiv für Interessenten aus dem Umland. Und durch die gute S-Bahn Anbindung in den Süden ist mancher schneller in Brandenburg als in Reinickendorf.

Es ist schwierig eine gute Schule im Speckgürtel zu finden, die Kinder nimmt, die keine eindeutige gymnasiale Empfehlung haben“, erzählt der Stahnsdorfer Vater. Sein ältester Sohn geht bereits hier zur Schule. Ihm gefällt das Klima hier. Die Familie findet die 400 Euro Schulgeld gut angelegt und schätzt das Elternengagement. Positiv ist dem Vater aufgefallen, dass viele Ehemalige einfach mal vorbeischauten. „Auf so etwas wäre ich in meiner Schulzeit freiwillig nicht gekommen“, sagt er. „Da muss es schon eine besondere Verbundenheit mit der Schule geben.“

Ute Sturmhoebel
Freie Journalistin und Kant-Schulschreiberin

ISB Grundschule - Ausgabe der Zeugnisse

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